Deutsch als Muttersprache kein Muss für Sieg

Mit der aus der Ukraine stammenden Tanja Maljartschuk hat bei den 42. Tagen der deutschsprachigen Literaturein eine Autorin gewonnen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Das war seit 2012 insgesamt vier Mal der Fall.

Olga Martynova, Katja Petrovskaja, Sharon Dodua Otoo und Tanja Maljartschuk haben eines gemeinsam: sie haben eine andere Muttersprache als jene, in der sie schreiben und sie alle sind Bachmannpreisträgerinnen. In diesem Jahr überzeugte mit Tanja Maljartschuk eine Autorin die Jury, die Deutsch erst als Erwachsene gelernt hat.

„Auf Deutsch schreiben verlangt mir Kraft ab“

Sie gibt offen zu, dass das es noch einige Jahre dauern werde, bis ihr erster großer Roman auf Deutsch erscheinen kann. Derzeit arbeitet sie an Erzählungen und Beiträgen für die Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“: „Ich schreibe für ‚Die Zeit online‘ kürzere Texte und ich glaube, das gelingt mir. Es nimmt sehr viel Zeit in Anspruch und verlangt mir sehr viel Mühe une Kraft ab, aber es gefällt mir.“

Tanja Maljartschuk
ORF/Johannes Puch
Tanja Maljartschuk

In der Jurydiskussion war die Frage nach der Muttersprache in diesem Jahr kein Thema mehr - anders als noch 1991 bei Emine Sevgi Özdamar. In der Ukraine geboren, lebt seit Tanja Maljartschuk seit 2011 in Österreich. Es sei für sie ein großes Geschenk, dass Österreich sie möge. Sie möge Österreich auch. Auch die deutsche Sprache, die ich vor sieben Jahre zu lernen begonnen habe, ist österreichisch. Ich rede österreichisches Slawisch oder slawisches Österreichisch. Das ist meine Sprache und mein zweites Zuhause."

Große Identifikation mit Eröffnungsredner

Tanja Maljartschuk fühlt sich mit Feridun Zaimoglu, dem Eröffnungsredner der Tage der deutschsprachigen Literatur, sehr verbunden. Er sagt von sich selbst: Ich bin Deutscher mit türkischen Eltern. Punkt." - mehr dazu in Text der Rede zur Literatur: Der Wert der Worte.

TddL Eröffnung 2018 Feridun Zaimoglu
ORF/Johannes Puch
Feridun Zaimoglu

Menschen mit Migrationshintertrund im Mittelpunkt

Beiden geht es um Menschen am Rand, die ausgestoßen sind. Ein illegaler Flüchtling aus der Ukraine und eine an Demenz erkrankte Frau sind es im Siegertext der Bachmann-Preisträgerin. Sie sagt, Zaimoglu habe in seiner Rede ihre Worte wiederholt: „Wir müssen für die Verlassenen dasein. “

Die Klagenfurter Rede zur Literatur und der Siegertext bildeten so die Klammer für die 42. Tage der deutschsprachigen Literatur, bei denen mit Tanja Maljartschuk und Özlem Özgül Dündar zwei Autorinnen ausgezeichnet wurden, in deren Texten es um Menschen mit Migrationshintergrund ging.