Translatio für literarische Übersetzer

Der Staatspreis für literarische Übersetzungen „Translatio“ ist heuer terminbedingt bereits am 28. April verliehen worden und nicht im Rahmen der Bachmannwoche. Die Preisträger heuer sind Ulla Ekblad-Forsgren und Alexander Sitzmann.

In Abwesenheit bekam die 80 Jahre alte Schwedin Ulla Ekblad-Forsgren den Translatio für ihre Übersetzungen der Dichterin Friederike Mayröcker ins Schwedische. Alexander Sitzmann bekam die Auszeichnung für seine Übertragungen bulgarischer, mazedonischer, norwegischer und dänischer Literatur ins Deutsche. Der Translatio ist der einzige Staatspreis, der außerhalb von Wien vergeben wird, nämlich im Musil-Haus in Klagenfurt.

Translatio 2017

Musilinstitut

„Fantastische Übersetzerin“

Normale Dlometscher übersetzen Gesagtes, literarische Übersetzer hingegen leisten viel mehr, sie sind Schlüsselfiguren im kulturellen Austausch, so etwas wie Erweiterer der Welt. Deshalb gibt es auch den österreichischen Staatspreis für Literarische Übersetzung, der mit jeweils 10.000 Euro dotiert ist. Vom Deutschen ins Schwedische übersetzt die 80 Jahre alte Schwedin Ekblad Forschgren.

Kranheitsbedingt konnte sie zur Preisverleihung nicht anreisen, aber ihre Laudatorin Annika Ruth Persson betonte die Rolle als Botschafterin österreichischer Gegenwartsliteratur in Schweden, im speziellen für Friederike Mayröcker, die sie in Skandinavien erfahr- und lesbar machte: „Die, die Friederike Mayröcker auf Deutsch lesen können, werden verstehen, dass es eine fantastische Übersetzerin fordert, um es als große Dichtkunst in eine andere Sprache zu übertragen.“

Hindernisse überwinden

Ins Deutsche übersetzt Alexander Sitzmann in Wienlebender, er ist Deutscher mit bulgarischer Mutter. Er übersetzt aus dem Bulgarischen, dem Mazedonischen, dem Norwegischen, Dänischen und Isländischen. Auch wenn Übersetzer in Büchern meist recht klein angeführt sind, schmälert das nicht ihre Bedeutung, sie seien Brückenbauer zwischen Kulturen, so Sitzmann. Brücken verbinden aber zwei getrennte Gebiete wie Flüsse oder Schluchten, daher sei man jetzt eher zum Tunnelgräber geworden. Trump wolle eine Mauer bauen, die 1,80 Meter in die Tiefe reiche. „Tunnelgräber überwinden auch künstliche Hindernisse.“

Damit wir Fremdes kennelernen können und damit wir von andreren besser verstanden werden, gibt es literarische Übersetzer, die beim Translatio einmal jährlich vor den Vorhang geholt werden.